Rindermarkt fast normal?

Landwirte leiden unter den niedrigen Preisen / "Restrisiko für Verbraucher bleibt"

(veröffentlicht im Weser Report, 11. Juli 2001)


Bremen. Acht Monate nach den ersten Fällen von BSE in Deutschland scheint sich die Lage langsam wieder zu normalisieren. Offizielle Zahlen sprechen davon, dass der Rindfleischverbrauch auf 80 Prozent des Vorjahresniveaus gestiegen ist. Doch die Bauern spüren wenig von dieser Verbesserung.

"Die Rinderpreise bleiben für uns Erzeuger extrem niedrig", weiß Hinrich Bavendamm, Vorsitzender des bremischen Landwirtschaftsverbandes. Für ein Tier bekommt der Bauer immer noch drei- bis vierhundert Mark weniger vom Viehhändler oder Schlachthof, schätzt Bavendamm. Auf seinem eigenen milchwirtschaftlichen Betrieb hat er durch BSE etwa 30.000 Mark verloren.

Überangebot

Ähnlich geht es allen Landwirten, bestätigt Dr. Thomas Lohse, Pressesprecher des Deutschen Bauernverbandes (DBV): "Durch den Zusammenbruch des Marktes hat sich in den Ställen ein Überangebot angesammelt, das sich nicht so schnell reguliert - die Ankaufprogramme der Bundesregierung greifen nur langsam, und die Kostenübernahme ist immer noch nicht geregelt."

Zwar könnte der Konsum durch billigere Preise an der Ladentheke angekurbelt werden, aber dadurch werde das verlorene Verbrauchervertrauen nicht wieder hergestellt, ist Lohse vom DBV überzeugt. Von Billig-Rindfleisch könnten die Kunden denken, es sei ncht ausreichend getestet.

Betrieb im Schlachthof

An den Schlachthöfen und bei den Viehhändlern ist mittlerweile wieder viel zu tun. "Vor einem halben Jahr hätte ich nicht gedacht, dass es sich so schnell wieder normalisiert", sagt Karsten Otten, Viehhändler in Bremen-Nord. Und auch der Bremer Schlachthof, spezialisiert auf den Export, spürt die Erleichterung.

Doch die erhöhten Kosten durch andere Schlachtmethoden und aufwändige BSE-Tests bleben an den Landwirten hängen. Den reinen Rindermästern geht es nicht gut, und das wird auch noch eine Weile so bleiben, sind Experten sicher. Denn auch wenn sich der Frischfleischverbrauch nach einer Untersuchung der zentralen Markt- und Preisberichtstelle fast wieder normalisiert hat - der große Bereich der Wurstwaren und des Kantinenessens ist bislang kaum zurückgewonnen.

"Restrisiko bleibt"

So besteht bei der Bremer Fleischfabrik Könecke die Wurst nach der Rezepturumstellung zu 98 Prozent aus Schwein oder Geflügel. Erste Anfragen nach Rinderwurst liegen aber vor. Die Verbraucherzentrale warnt jedoch: "Wir wissen immer noch viel zu wenig über die Auswirkungen von BSE auf den Menschen." Wer jetzt also wieder unbeschwert zum Rindfleisch greife, dürfe das Restrisiko nicht vergessen. (bik)

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