Wandelndes Stadtlexikon

Unterwegs mit Gästeführerin Eva Rogge durch das Bremer Rathaus

(veröffentlicht im Weser Report, 15. Juli 2001)


Bremen. "Isn't this City Hall beautiful?" Die drei Amerikaner vor dem Rathaus sind begeistert, als sie mit zwei Dutzend anderen Touristen von Eva Rogge kurz vor zwölf Uhr am Seiteneingang des Bremer Rathausesbegrüßt werden. Die Frau im blauen Kostüm der Bremer Touristikzentrale (BTZ) ist Gästeführerin, und wir begleiten sie einmal bei einer öffentlichen Tour durch "Bremens gute Stube".

Seit zwanzig Jahren zeigt Eva Rogge schon Touristen und Bremern die Stadt. Ob bei der Stadtrundfahrt mit dem Bus, beim Schnoorspaziergang oder wie jetzt bei der Führung durch das Rathaus die 64-Jährige ist ein wandelndes Lexikon in Sachen Stadtgeschichte und Anekdoten. "Man muss drei Drittel wissen, um ein Drittel erzählen zu können."

Roland als Heldenfigur

Und so berichtet sie am Fuß der Rathaustreppen von dem Bremer Schlüssel, der eigentlich das Wahrzeichen vom heiligen Petrus ist, dem ein Dom zu Bremen geweiht ist. Und sie erzählt, dass der Roland auf dem Marktplatz nichts mit Bremen zu tun hat: "Das war eine mittelalterliche Heldenfigur, dem die Bürger 1404 ein Denkmal setzten, um damit ihre Unabhägigkeit von der Kirche deutlich zu machen."

Bei ihren Führungen sind auch immer wieder Lokalpatrioten, die mehr über ihre Heimatstadt erfahren wollen, weiß Eva Rogge: "Die Bremer lieben ja ihre Stadt, aber manchmal ist es für sie peinlich, wenn sie mit Gästen in der Innenstadt sind und einige Dinge selbst nicht wissen."

In der 20. Saison

Als ihre Kinder groß waren, suchte die gebürtige Bad Nauheimerin einen Job, den sie auch neben der Familie machen und bei dem sie ihre Englisch- und Spanischkenntnisse anwenden konnte. Jetzt arbeitet die Frau mit der leicht heiseren Stimme bereits in der 20. Saison freiberuflich für die BTZ.

Am liebsten sind ihr die öffentlichen Führungen, die zum Beispiel fast jeden Tag um 11 und um 12 Uhr am Rathaus stattfinden: "Die Menschen, die da mitmachen, sind wirklich interessiert. Beim Kegelverein, der extra eine Führung bucht, ist die Hälfte der Teilnehmer manchmal gelangweilt." Als sie an diesem Tag den Besuchern aus Stendal, München und dem fernen Atlanta von den funktionierenden Minikanonen in den Koggenmodellen in der oberen Rathaushalle erzählt, hängen ihr die Zuhörer an den Lippen. "Schauen Sie sich doch einmal, diese wunderbar verpennten römischen Wachsoldaten über der Tür zur Güldenkammer." Geduldig beantwortet sie Fragen, lässt kleine Döntjes einfließen und treibt ihre kleine Herde langsam in den nächsten Raum.

"Incredible"

Nach einer Stunde sind wir wieder am Ausgangspunkt angekommen, und Eva Rogge entlässt die Gäste in die Stadt. "Incredible", unglaublich schön, sind die Amerikaner begeistert, und alle bedanken sich bei ihrer Führerin. "Wohin geht es jetzt zur Böttcherstraße?", möchte ein ältere Herr noch wissen. "Hier genau geradeaus. Wenn Sie sich beeilen, kommen Sie rechtzeitig zum Glockenspiel." (bik)

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