TV in Bremen bald grenzenlos?

Digitales Fernsehen wird in Hansestadt erprobt / In einem Jahr ist Technik soweit

(veröffentlicht im Weser Report, 29.7.2001)


Bremen. Ein brieftaschengroßes mobiles Fernsehgerät, mit dem man auch telefonieren und im Internet surfen kann - das ist noch Zukunftsmusik. Doch die Grundlagen dafür werden zurzeit in Bremen gelegt: Digitaler Rundfunk heißt das Zauberwort und in einem Jahr kann es damit losgehen.

Seit zwei Jahren läuft ein Feldversuch von Radio Bremen und der Bremischen Landesmedienanstalt, der mit einer minimalen Leistung vom Utbremer Funkturm aus die digitalen Frequenzen ausstrahlt. Damit können gestochen scharfe Fernsehbilder ohne aufwändige Antennen-, Satelliten- oder Kabelanlage empfangen werden. Die meisten Fernsehsender strahlen bereits ihr Programm digital und analog aus.

Mobilität ist Trumpf

Mit dem digitalen Empfang ist das TV-Gerät vollständig mobil, das heißt, überall wo eine Steckdose ist, kann Fernsehen geschaut oder auch mit der entsprechenden Technik das Internet besucht werden. Und dass Mobilität Trumpf ist, weiß auch Wolfgang Schneider, Chef der Landesmedienanstalt: "Vor zehn Jahren hätte sich keiner träumen lassen, dass Handys die Festnetzanschlüsse überholen werden." Fernsehgeräte in Autolehnen sind dann bald keine Utopie mehr.

Für das moderne Fernsehen sind jedoch auch modernste Fernsehgeräte nötig, oder zumindest ein Decoder. Die Zusatzgeräte, die Ende August erstmals auf der Funkausstellung präsentiert werden, kosten etwa 400 Mark. Doch die Anschaffung lohnt sich, ist Schneider überzeugt: "Kabelfernsehen wird in den kommenden Jahren teurer, und Satellitenschüsseln sind nicht überall erlaubt."

Bis zu 100 Pay-TV-Sender

Wenn der Bremer Sender im kommenden Jahr seine Leistung auf 20 Kilowatt ausweitet, können auf diese Weise zunächst zwölf private und öffentlich-rechtliche Kanäle empfangen werden. Später werden es 20 bis 25 Programme sein, plus bis zu 100 Pay-TV-Sender und weitere Datenkanäle.

Nicht über Nacht, aber bis zum Jahr 2010 wird es in ganz Deutschland nur noch digitales Fernsehen geben. Alte Geräte müssen dann nachgerüstet werden. Pessimisten, die die alte Technik festhalten wollen, hält Wolfgang Schneider entgegen: "Bei der Einführung des bleifreien Benzins gab es auch eine Zeit lang beide Sorten, und dann wurde das bleihaltige ganz eingestellt."

Digitales Radio?

Neben dem Fernsehen ist auch der Hörfunk digitalisierbar, doch hier ist die Technik noch nicht so weit. Zu wenige Programme für zu teure Geräte. Bis zum Jahr 2015 soll aber auch die analoge UKW-Frequenz abgestellt werden, die alten Radiogeräte haben dann endgültig ausgedient. (bik)

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