"Unser Wissen ist grenzenlos"

Creditreform erteilt Auskünfte aller Art / Datenschutzgesetz wird bald geändert

(veröffentlicht im Weser Report, 21.3.2001)


Bremen. Hans M. (Name geändert) ist ein Geschäftsmann. Aber seine Firma läuft nicht gut. Hans M. hat Schulden, auch sein Privathaus ist hoch belastet. Das weiß niemand außer seiner Hausbank, denkt Hans M., doch da kann er sich nicht sicher sein. Informationen über seine Zahlungsmoral können jederzeit eingeholt werden. Und das sogar, ohne dass Hans M. erfährt, wer sich über seine Verhältnisse erkundigt hat.

Der Verein Creditreform hat sich auf diese Informationen spezialisiert. 3,1 Millionen Daten hat er gesammelt und bezeichnet sich selbst als "größte Wirtschaftsdatenbank der Welt über deutsche Unternehmen".

Auch Daten über Privatpersonen

Anders als bei der Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) erfahren Mitglieder bei Creditreform mehr als nur Fakten über die Zahlungsmoral: zum Beispiel Daten über die Auftragslage und die Mitarbeiter, die Höhe des Eigenkapitals und die Altersstruktur des Betriebes.

Darüber hinaus sind auch Immobilienbesitze und Einkommensverhältnisse von Privatpersonen gespeichert. Die Eigenwerbung von Creditreform lautet schließlich: "Unser Wissen ist grenzenlos".

"Berechtigtes Interesse" nötig

Voraussetzung für die Informationen ist ein "berechtigtes Interesse". Hans M. wird automatisch benachrichtigt, dass eine Anfrage über seine Finanzen beantwortet wurde. Gleichzeitig erfährt er, welche Daten über ihn überhaupt gespeichert sind. Doch Hans M. erfährt nicht, wer Näheres über ihn wissen wollte.

"Wir handeln streng nach dem Datenschutzgesetz", erklärt ein Sprecher der Creditreform. Über weitere Einzelheiten, zum Beispiel woher die Daten stamen, wollte er jedoch keine Angaben machen.

Datenschützer wünscht Erweiterung

Tatsächlich entspricht das Vorgehen dem Bundesdatenschutzgesetz, doch der Bremer Datenschützer Svne Holst ärgert sich seit langem darüber: "Ich wünsche mir eine Erweiterung, damit der Betroffene auch erfährt, an wen die Informationen gehen." Noch in diesem Jahr, kündigt Holst an, wird das Bundesgesetz entsprechend einer EU-Richtlinie verändert. Solange kein Geschäftsgeheimnis dagegen stehe, sollen dann Auskünfte über den Empfänger weitergegeben werden.

Wer Zweifel am berechtigten Interesse hegt, kann sich auch direkt an den Datenschutzbeauftragten wenden: "Wir können kontrollieren, warum Daten angefordert wurden." Nicht berechtigt sei zum Beispiel die Anfrage über die Finanzverhältnisse eines zukünftigen Schwiegersohnes. "Das wäre rechtswidrig und eine Straftat." (bik)

 

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