"Kaserne" ohne Präsidialsuite

IUB-Präsident Fritz Schaumann lebt als einer der Ersten auf Uni-Campus

(veröffentlicht im Weser Report, 1.8.2001)


Bremen. Ein richtiges Zuhause ist es nicht, in dem Dr. Fritz Schaumann zurzeit lebt: Der Präsident der International University Bremen (IUB) wohnt seit Juni auf dem ehemaligen Kasernengelände in Bremen-Grohn: "Eine funktionale Arbeitswohnung, aber ausreichend."

Auf dem Flur des Fakultätsgebäudes herrscht unverkennbar Kasernen-Flair. Das Zwei-Zimmer-Appartement von Fritz Schaumann ist in lindgrün und elfenbeinfarben eingerichtet: Eine Sitzgruppe, ein Schreibtisch, eine Essecke, Küche, Bad und Schlafzimmer mit Einbauschrank sind überall gleich. "Hier gibt es keine Präsidialsuite."

Ashanti-Puppen

Einzige persönliche Einrichtungsgegenstände: Teppiche, Bilder und zwei Ashanti-Holzpuppen. "Ich sammel afrikanische Gegenstände, wenn auch nicht leidenschaftlich", erzählt der Uni-Präsident. "Ich möchte ja nicht im Museum leben."

Sein eigentliches Haus steht in Rheinberg bei Moers. Seit 14 Jahren sehen sich der Vater zweier Kinder und seine Frau meist nur am Wochenende. "Viele verstehen nicht, wie wir so leben können, aber es klappt gut", sagt der 55-Jährige.

Bewusste Karriere

Heimweh kann auch gar nicht aufkommen: Seit er im Dezember 1998 nach Bremen kam, hat er es nicht einmal ins Kino geschafft. Wenn er am Abend keine Termine hat, sitzt er im Büro über den Akten. "Es ist eine extrem hohe Arbeitsbelastung, diese Universität aufzubauen, aber das war mir auch bewusst, als ich mich dafür entschied."

Der Mann hat eine ungewöhnlichen Biografie: Vom Fernmeldehandwerker mit Gesellenbrief zum Doktor der Pädagogik und Psychologie, Dozent an der Uni Dortmund, Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, Unternehmensberater, Staatssekretär im Bundesbildungsministerium und jetzt Gründungsdirektor der Privatuniversität Bremen. Er ist es gewohnt, sich ganz auf eine Sache zu konzentrieren und alles andere auszublenden.

Krimis und Skat

Für die geliebte Krimi-Lektüre bei einem guten Weißwein bleibt da nur wenig Zeit, ebenso für eine lockere Skatrunde oder für das Segeln und Surfen, seine liebsten Hobbys. Dafür genießt er es, wenn seine Frau ihn mit leckerer mediterraner Kost verwöhnt. "Ich kann kochen, aber meine Frau ist besser, das ist eine ständige Entmutigung."

Das Mittelmeer kennt er von zahlreichen Urlauben. Auch Mallorca ist seit 30 Jahren immer wieder sein Ziel: "Eine wunderschöne Insel und ein Mikrokosmos: vom Ballermann bis zur Naturidylle gibt es dort alles."

Kein Mann für immer

Dort für immer wohnen könnte er jedoch nicht. Schon Bremen war anfangs ein schwerer Schritt für ihn: "Ich hatte ein sehr schlechtes Bild von Bremen. Ich dachte, dort wohnen nur Leute, die ständig klagen." Aber ein einwöchiger Besuch Ende 1998 überzeugte ihn, dass sein Vorurteil völlig falsch war. Auf immer wird er jedoch in Bremen nicht bleiben, das steht fest: "Alle sieben bis zehn Jahre brauche ich eine neue Aufgabe, sonst habe ich keine Lust mehr daran." Und vielleicht macht Schaumann dann sein eigenes Unternehmen auf - mit Gründungen hat er dann ja seine Erfahrungen gemacht. (bik)

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