Filmrolle im Garten vergraben

Landesfilmarchiv sammelt frühe Aufnahmen aus Bremens Geschichte

(veröffentlicht im Weser Report, 19.08.2001)


Bremen. Der Hauptbahnhof, die Grünanlage davor und ein rote Hakenkreuz-Fahnenmeer - diese Aufnahmen eines Bremer Amateurfilmers aus den 30er Jahren eröffnen einen neuen Dokumentarfilm, der zurzeit im Landesfilmarchiv entsteht. Bislang unveröffentlichte Materialien werden im November dem Publikum vorgestellt.

Herr über etwa tausend Filmrollen über Bremen ist Dr. Diethelm Knauf, der zusammen mit seinem Kollegen Hans-Otto Steudle am Landesfilmarchiv in Grohn arbeitet. 1998 aus der Landesbildstelle ausgegliedert, sammeln sie alles, was an historischen Filmaufnahmen existiert.

Raritäten in Kartons

Aufnahmen von Eiskunstläufern auf dem Emma-See 1929, Werbe-und Kulturfilme des Norddeutschen Lloyd aus den 30er Jahren, eine Wehrmachtsparade auf der Schwachhauser Heerstraße in Farbe und andere Raritäten lagern in dem ehemaligen Schulgebäude an der Färberstraße in Regalen und Kartons.

Viele der alten Streifen sind Spenden von Privatleuten: "Einmal rief uns jemand an, dessen Vater für den Norddeutschen Lloyd gearbeitet hat und im Krieg drei Koffer voller Filmrollen im Garten vergraben hat." Diese Filme zeigen sehr viel über den Alltag der Menschen in dieser Zeit, schwärmt der Historiker.

Aus amerikanischen Archiven

Hinzu kommen etliche 35-Millimeter-Aufnahmen, die die Amerikaner während und nach dem Zweiten Weltkrieg von Bremen gedreht haben: Aus den National Archives in Washington hat Knauf etwa zwölf Stunden Filmmaterial gekauft, die jetzt nach und nach gesichtet und dann in dem Film verarbeitet werden sollen. Arbeitstitel: "Von der Nazizeit zum Wirtschaftswunder 1933 bis 1955".

Neben dem Film hat der 48-Jährige auch andere Aufgaben: Oft fragen Fernsehsender, Werbeagenturen oder Geschichtswerkstätten beim Filmarchiv nach historischen Aufnahmen, oder Privatleute suchen Filmmaterial zu einem runden Geburtstag. Weil Knauf aber der Einzige ist, der genau weiß, wo welche Filmrolle und welches Videoband abgelegt ist, hofft er auf eine weitere Arbeitskraft, die einen Katalog erstellen soll. "Dann könnte man bereits im Internet gezielt nach bestimmten Aufnahmen suchen, wie in einem richtigen Filmarchiv." (bik)

 

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