Nachwuchs ohne Neugier

Elektro- und Informationstechnik bietet Jobgarantie / Wenige Studienanfänger

(veröffentlicht im Weser Report, 2.9.01)


Bremen. Alle klagen in der IT-Branche - der Nachwuchs fehlt. Die Green Card für ausländische Experten war bislang wenig erfolgreich. Dabei gibt es doch auch an der Bremer Universität Studiengänge mit Jobgarantie: Zum Beispiel Elektro- und Informationstechniker, die die Zukunft der mobilen Kommunikation entwickeln. Dennoch wollen zu wenige junge Leute in diesen Fachbereich.

Fangen in der Informatik jährlich etwa 300 neue Studenten an, sind es in der Elektro- und Informationstechnik nur etwa 50 bis 60. "Viele wissen gar nicht, wie verwandt beide Fächer sind", betont Karl-Dirk Kammeyer, Professor für Kommunikationstechnik. "Wir arbeiten an ganz konkreten Problemstellungen."

Internationale Projekte

Bei seiner Kollegin Prof. Dr. Carmelita Görg geht es zum Beispiel darum, wie WAP besser für Telefonkonferenzen genutzt werden kann. "Das ist zwar schon möglich, aber so kompliziert, dass es nur wenige machen", weiß die Professorin. In einem anderen Projekt für die Firma Siemens erarbeiten die Studenten, wie so genannte Ad-hoc-Netze mit drahtlos verknüpften Laptops aufgebaut werden.

Ganz neu startet im nächsten Monat das EU-Projekt "Nomad". Mit Partnern von Finnland bis Griechenland arbeitet das Bremer Institut an Lösungen für die mobile Gesellschaft. Das Ziel: Jeder soll überall gleiche Arbeitsbedingungen haben und lokale Infos nicht nur über nahegelegene Hotels erhalten. Auch hier können die Studenten erste Kontakte zur Industrie knüpfen, die ihnen später nützen.

Stagnierende Zahlen

Alles spannende zukunftsweisende Themen, und trotzdem stagniert die Zahl der Studienanfänger auf einem sehr niedrigen Niveau. Carmelita Görg befürchtet: "Die Schüler lassen sich abschrecken von den schlechten Wirtschaftsnachrichten über Pleiten im Telekom-Bereich." Wer aber jetzt mit dem Studium beginnt, kann sicher sein, später einen guten Job zu bekommen.

Ein weitere Punkt kommt hinzu: "Die Schüler benutzen die modernen Technologien ganz selbstverständlich. Was ihnen aber leider fehlt, ist die wissenschaftliche Neugier." Um die wieder anzuregen, gibt es vom Fachbereich und der Universität einige Aktionen, wie das Universum-Schullabor, das jetzt in der dritten Staffel angelaufen ist. Dort erfahren zum Beispiel Elftklässler, wie Töne digital umgewandelt werden und wie die Chiptechnologie unser Leben bestimmt. (bik)

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