Totenschädel als Inspiration

Schriftsteller Michael Augustin sammelt Geschichten und Absurditäten

(veröffentlicht im Weser Report, 02.09.2001)


Bremen. Wo zwei Schriftsteller zusammen wohnen, da beherrschen Bücher den Lebensraum. So ist es auch im schmalen Altbremer Haus von Michael Augustin. Hier lebt er mit seiner Frau, der Dichterin Sujata Bhatt, und der gemeinsamen Tochter Jenny.

In der ruhigen Nebenstraße im Viertel wohnt der Verfasser unzähliger satirischer Gedichte und Aphorismen und Radio Bremen-Redakteur seit 1979. Und in diesen Jahren hat sich vieles angesammelt, das in Regalen und an Wänden aufgereiht ist: kleine hölzerne Figuren, deutsche und englische Bücher, afrikanische und asiatische Masken, indische Götter.

Stapelweise Bücher

Das gemütliche Wirrwarr setzt sich in seinem Arbeitszimmer im Souterrain fort: Dort liegen die Bücher schon stapelweise auf dem Boden. Auf dem Schreibtisch steht eine gelbe mechanische Schreibmaschine, auf der Augustin seine Mini-Geschichten schreibt.

Und ein echter Totenschädel schaut ihn an, den ein Arzt einst für eine Flasche Schnaps vom Kieler Friedhofswärter gekauft hat. "Bei meinem Buch über die letzten Stunden berühmter Leute war der Schädel sehr inspirierend", lacht der Schriftsteller.

Alltagsanregungen

Anregungen für seine pointierten Satiren findet der begeisterte Werderfan überall, sein Notizheft ist sein ständiger Begleiter. "Wenn in einer Kneipe jemand ein Wasser mit Eis bestellt, aber das Eis bitte nicht so kalt, dann taucht das später in einem Gedicht auf."

Geschichten sammeln zieht sich wie ein roter Faden durch Augustins Leben: Der gebürtiger Lübecker begleitete während seines Volkskunde-Studiums in Dublin Märchensammler und Erzählforscher. Und nun schaut er "dem Volk aufs Maul", klopft die Alltagssprache ab nach Absurditäten und schrägen Anekdoten.

Mann'sche Stille

Wegen seines Jobs als Redakteur bei Radio Bremen Kulturwelle 2 bleiben ihm zum Schreiben aber nur die Abend- und Nachtstunden. Dann herrscht fast Thomas-Mannsche Stille im Bremer Haus. "Jemand, der nicht von der Muse gebissen ist, kann das nicht verstehen", gibt der 48-Jährige zu.

Doch seine indisch-stämmige Ehefrau Sujara Bhatt ist ebenfalls Dichterin und zieht sich zum Schreiben zurück. Gegenseitig inspirieren und kritisieren sie sich. Und sogar Tochter Jenny (11) überraschte die Eltern zu Weihnachten mit einer ersten eigenen Geschichte. (bik)

 

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