"Vision der besseren Schule"

Oberstudienrat schreibt Buch über seine Gesamtschul-Erfahrungen

(veröffentlicht im Weser Report, 2.9.01)


Bremen. Ein fast "geschichtliches" Buch hat Lothar Voßmeyer jetzt vorgelegt. Der pensionierte Oberstudienrat hat sich einem Thema gewidmet, von dem er eine Menge versteht: Von der Gründung einer Gesamtschule. Immerhin war Voßmeyer 1972 dabei, als die Gesamtschule Ost gegründet wurde. Einige seiner Erinnerungen finden sich in "Onkel Georgs Vision" wieder.

Der Gymnasiallehrer Dr. Friedhelm Tönjes, der in der fiktiven norddeutschen Stadt Bekebrück eine Integrierte Gesamtschule aufbaut, steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Sein Onkel Georg hatte bereits in den 20-er Jahren den Traum, eine bessere Schule zu gründen. In der 70-ern war es dann so weit: Reformturbulenzen, Konflikte zwischen Lehrern und Politikern werden augenzwinkernd und realitätsnah beschrieben.

Würstchenschlacht

Dennoch ist Voßmeyers Buch kein "Enthüllungsroman", betont der 67-Jährige: "Meine eigenen Erfahrungen waren nicht so schlimm, wie ich es schildere." Schräges habe er karikiert und satirisch überspitzt, während durchaus vernünftige Ansätze unterschlagen wurden. Ganz aus der Luft gegriffen sind die Ereignisse allerdings nicht: So hat es tatsächlich eine Würstchenschlacht in einer Schulmensa mit parlamentarischem Nachspiel gegeben - "allerdings nicht in der Gesamtschule Ost", schmunzelt der Autor.

Voßmeyer war nicht nur der erste Schulleiter der GSO war, sondern arbeitete auch in der Bundeskommission zur Auswertung der Gesamtschul-Erfahrungen. Rückblickend ist er überzeugt, dass die damaligen Schulgründungen "reform-überlastet" waren: "Einige Lehrer wollten die kapitalistische Gesellschaft unterminieren, andere wollten konsequent antiautoritär erziehen, und wieder andere wollten einfach nur pragmatischere Inhalte vermitteln."

"Heiße Luft konservieren"

Voßmeyer ging es auch darum, "die heiße Luft, die auf den Konferenzen von damals abgelassen wurde, zu konservieren": "Wenn im nächsten Jahr die Jubiläumsreden gehalten werden, wird die Diskrepanz zwischen Wollen und Können, zwischen Konzept und Realität vergessen."

Doch es war nicht alles schlecht, was damals versucht wurde, betont er: "Die Gesamtschulen sind heute konsolidiert und leisten wichtige soziale und pädagogische Arbeit in ihren Stadtteilen." Wäre er etwas jünger und könnte alle Erfahrungen von damals überdenken, dann würde er trotzdem wieder etwas Neues wagen. "Onkel Georgs Vision einer besseren Schule bleibt ja immer noch bestehen."

 

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