Pastor mit Preußen-Tugend

Louis-Ferdinand von Zobeltitz liebt Literatur und lange Radtouren

(veröffentlicht im Weser Report, 09.09.2001)


Bremen. Sein Name ist imposant, sein Heim aber eher bescheiden: Louis-Ferdinand von Zobeltitz wohnt mit Blick auf "seine" Stephani-Gemeinde. Der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche(BEK) lebt seit 1981 in Bremen in dem kleinen Reihenhaus nahe der Weser.

Gleich im Hausflur begrüßt ein Marmorkopf die Besucher - "den hat meine Frau gemacht", sagt der Pastor stolz und legt die Hand auf: "Da kann ich Segnen üben." Weitere kleine Statuen und Bilder seiner Frau hängen und stehen im Wohnzimmer zwischen antiken Holzmöbeln und blauen Glasvasen. "Meine Frau Birgit hat mir erst einen ästhetischen Geschmack beigebracht."

"Bremer Bischof"

Sein Zuhause ist dem obersten Bremer Protestanten heilig. "Als Pastor war es schwierig, Beruf und Privatleben zu trennen, aber seit ich 1995 Schriftführer bin, achte ich sehr darauf, dass ich wenigstens einen Tag in der Woche nichts Dienstliches habe." Der Schriftführer ist in der BEK Ansprechpartner für alle theologischen Fragen und für die Pastoren der Gemeinden. Da es traditionell keinen Bremer Bischof gibt, übernimmt von Zobeltitz bischöfliche Aufgaben. Dadurch ist er viel unterwegs und kommt nicht mehr dazu, wie früher drei Mal in der Woche für die Familie zu kochen.

Aber mittlerweile sind die vier Kinder (25 bis 30 Jahre) aus dem Haus. In Vaters theologische Fußstapfen tritt übrigens keines von ihnen: "Ich komme auch nicht aus einer Pastorenfamilie, aber ich bin sehr fromm erzogen worden."

Liebe zur Literatur

Seine Mutter ist die Schriftstellerin Leonie Ossowski. Von ihr hat er die Liebe zur Literatur, vermutet der begeisterte Leser, der den Umgang mit der Sprache mag. "Jede Predigt sollte literarische Kleinkunst sein." Und vielleicht kommt er auch einmal dazu, etwas Längeres zu schreiben. "Bislang habe ich mich nicht getraut."

Sein Vater, bei dem der gebürtige Schlesier aufwuchs, hat ihm die Liebe zum Preußentum vermittelt: "Preußen hat ja zwei Seiten: eine dunkle, reaktionäre, militaristische Seite, die ich ablehne, und eine, auf der Toleranz, Verantwortung, Offenheit für fremde Kulturen eine große Rolle spielen." Je älter er werde, desto bewusster werden ihm seine preussischen Wurzeln.

Lange Radtouren

Dennoch liebt er seine Wahlheimat Bremen: "Meine Frau und ich sind leidenschaftliche Radfahrer. Jede Woche machen wir eine lange Radtour, und nach 20 Jahren entdecken wir immer noch neue Wege in die Umgebung." Die Natur und Architektur in Deutschland fasziniert ihn: "Ich träume davon, wenn ich mal mehr Zeit habe, eine Radtour von Flensburg bis Waldshut zu machen." (bik)

 

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