Übergriffe im Fahrschulauto

Landesfahrlehrerverband: Beschwerdestelle / Manche Klage unberechtigt

(veröffentlicht im Weser Report, 16.9.01)


Bremen. Christoph H. ist sauer: Der 18-Jährige ist bereits zum zweiten Mal durch die praktische Fahrprüfung durchgefallen. "Jedes Mal ist der Fahrlehrer auf die Bremse getreten, und die Prüfung war beendet." Christoph ist sich keines Fehlers bewusst: "Der mag mich einfach nicht."

Dies ist ein typischer Fall, wie ihn Rüdiger Grollmann, Vorsitzender des Bremer Landesfahrlehrerverband, immer wieder hört. Bei ihm laufen Beschwerden ein. "Wenn es eine Fahrschule ist, die bei uns Mitglied ist, versuchen wir zu vermitteln, ansonsten sprechen wir Empfehlungen aus." Denn der Rechtsweg sei immer teuer, weiß Grollmann.

Kündigung nach Belästigung

Dabei ist längst nicht jede Klage berechtigt: "Manch einer beschwert sich, weil die Fahrstunden nur 45 Minuten dauert." Das steht aber so auch im Ausbildungvertrag und müsste dem Fahrschüler bekannt sein. Es gibt aber auch schlimmere Fälle, bei denen eine Fahrschülerin sich beklagt, ein Lehrer hätte sie berührt. "Vor etwa zehn Jahren hat es tatsächlich in Bremen einen Fahrlehrer gegeben, der alles angefasst hat, was lange Haare hatte", erinnert sich Grollmann. Der Lehrer musste anschließend seinen Hut nehmen.

Allerdings gebe es auch den umgekehrten Fall, weiß der Fahrlehrer: "Manche Schülerinnen bieten sich regelrecht an und meinen, sie hätten den Fahrlehrer dann in der Hand." Manchmal sei es fraglich, wer wen verführe, bemerkt Grollmann: "Manche anatolischen Schönheiten verlocken geradezu zum Angucken." Er selbst habe auch schon Schülerinnen gebeten, sich vor der Fahrstunde etwas anderes anzuziehen.

Vorinstanz

Wenn tatsächlich etwas passiert, ist das in der Regel schwer nachzuweisen, da Zeugen fehlen. In einem klärenden Gespräch versucht Grollmann, die Wahrheit herauszufinden. "Wir sind nur eine Vorinstanz. Wenn es stimmt, wird auch das Gericht eingeschaltet."

Doch zurück zu Christoph, der noch ein Weilchen auf seinen Führerschein warten muss: "Jeder Prüfling bekommt ein Prüfprotokoll mit, in dem ausdrücklich festgehalten wird, warum ein Eingriff des Fahrlehrers notwendig war." Der reine Unsympathie-Aspekt sei dadurch auszuschließen, so Grollmann weiter. Und wenn das nicht reicht, sollte man einmal darüber reden. (bik)

 

Hier geht's zurück zum Weser Report