"Ich bewahre mir Inseln der Ruhe"

SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Böhrnsen lebt mit Frau und Katzen fast ländlich

(veröffentlicht im weser Report, 16.9.2001)


Bremen. Direkt am Lesumer Deich, in ländlicher Umgebung und dennoch mitten in der Stadt wohnt Jens Böhrnsen mit seiner Frau Luise. Seit drei Jahren leben sie im Elternhaus des SPD-Fraktionsvorsitzenden aus den 30-er Jahren.

Dahinter windet sich ein langer halb verwunschener Garten, in dem sich die beiden anderen Hausbewohner tummeln: Kater Lenox und seine Halbschwester Xenia. Im Wohnzimmer mit Holzfußboden steht ein Tribut an die beiden Samtpfoten: ein abgeschabter "Katzen-Sessel". "Dafür lassen sie unsere Rattanmöbel in Ruhe", sagt der Jurist lachend.

Küche ist Mittelpunkt

Mittelpunkt des kleinen Hauses ist jedoch die große offene Wohnküche mit Gartenblick. "Ich koche wahnsinnig gern, und dann bin ich nicht so abgeschieden", erklärt die 52-jährige Luise. Hier bewirten sie Freunde und diskutieren. Der Politiker sagt: "Wir kommen beide aus sehr politischen Elternhäusern, und meine beiden Shne aus erster Ehe haben das Bewusstsein mitbekommen, dass man sich über sein eigenes Leben hinaus engagieren sollte."

Dennoch werden privat keine Fachgespräche geführt. "Mein Zuhause ist kein verlängertes Fraktionsbüro." Zwar arbeitet Böhrnsen gern und viel, nimmt sich Unterlagen mit nach Hause und setzt sich dann in sein kleines Büro im Gartenhaus. Aber "Inseln der Ruhe" bewahrt sich der ehemalige Richter immer: "Sonst geht die Freude an der Arbeit verloren."

Kurztrips nach Berlin

Entspannen kann sich das Ehepaar Böhrnsen im heimischen Garten, im Kino oder bei Kurztrips ins Weserbergland oder nach Berlin, wo Luise 20 Jahre lang gelebt hat. Im Urlaub kommen sie auch endlich zum Lesen. "Irgendwann würde ich gern noch Sprachen lernen", sagt der 52-Jährige. Und seine Frau möchte noch einmal Kunstgeschichte studieren. Ansonsten hält der Politiker aber nichts von Träumen, die man auf die lange Bank schiebt: "Was man tun will, sollte man gleich tun." (bik)

 

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