Unterwegs in Sachen Wein

Ratskellermeister Karl-Josef Krötz lebt mit der Familie hinter dem Deich

(veröffentlicht im Weser Report, 14.10.2001)


Bremen. Etwas versteckt leben Ratskellermeister Karl-Josef Krötz und seine Familie in Habenhausen, direkt hinter dem Weserdeich. Den Fluss vor der Tür, das kennen er und seine Frau Doris bereits von der Mosel, von der beide stammen. Hier kriegen sie allerdings keine nassen Füße - denn das Haus aus Holz und Glas, in dem sie seit zehn Jahren leben, ist solide gebaut.

Blau und weiß beherrschen die Wohnräume, Holzbalken ziehen sich gerade an der Decke entlang, dazu ein weißblauer Kachelofen, eine Schiffslampe vor der Haustür und andere maritime Accesories - "das passt zu Bremen", ist der 44-Jährige begeistert. Besonders an verregneten Sonntagnachmittagen genießt es Krötz, mit einem guten Buch - über Wein, versteht sich - auf dem Sofa zu liegen und es hinter den großen Fenstern plätschern zu sehen.

Ratskeller als Herausforderung

An die Hansestadt haben sich die beiden mit ihren zwei Kindern Daniela (18) und Matthias (15) schnell gewöhnt. Dabei kam Krötz zu dem ehrenvollen Amt des Ratskellermeisters eher per Zufall: Er arbeitete als Kellermeister sowohl in einem der besten Weingute Deutschlands als auch im heimischen Betrieb des Vaters. Als die Stelle im renommierten Bremer Ratskeller ausgeschrieben wurde, bewarb sich der studierte Winzer auf gut Glück. "Ich suchte die Herausforderung. Aber ich hatte nie ernsthaft damit gerechnet, dass ich genommen werde." Schließlich komme der Bremer Ratskeller in Kennerkreisen gleich nach dem Weingott Bacchus.

Dass er als Ratskellermeister viel zu tun hat, um Bremen überall zu repräsentieren und stets die besten deutschen Weine einzukaufen, macht Krötz nichts aus: "Ich komme aus einer Gegend, wo Weinbau angesichts der extremen Steillagen Idealismus erfordert. Da bin ich das Knüppeln gewöhnt." Seine Frau, ehemalige Weinkönigin, versteht das gut - schließlich ist auch sie "mit dem Traubensaft groß geworden". Und so dreht sich ihr ganzes Leben um Wein. Auf die Frage, ob sie denn auch einmal Bier tränken, sind beide einhellig fast entrüstet: "Nein, eigentlich nie."

Begeistert von Werder

Eines allerdings hat Ehefrau Doris von der Hansestadt übernommen: Seit sie hier leben, ist auch sie begeisterter Fußballfan. Wenn bei Werder ein Tor fällt, hören sie den Jubel oft über den Fluss schallen. Krötz hat als Jugendlicher selbst gern den Ball gekickt, heute beschränken sich seine Aktivitäten allerdings auf Mitzittern und Zugucken - "wenn ich Zeit habe, ich bin ja ständig für Bremen und den Wein unterwegs."

Bei so viel Leben für den Wein dreht sich auch eine seiner Sammelleidenschaften darum: Weinhülsen mit Mickymausform und anderen Figuren finden sich im Keller - sehr zum Leidwesen seiner Ehefrau: "Er kann nichts wegwerfen." Einen eigenen privaten Weinkeller hat er nicht - "zur großen Überraschung unserer Besucher." Einen edlen Tropfen aus edlen Gläsern kriegt dennoch jeder Gast kredenzt: "Wein verbindet eben kultivierte Menschen seit Jahrtausenden." (bik)

 

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