Gefühle sind zwiegespalten

Ehemalige Zwangsarbeiter in Bremen / Bislang keine Entschädigung

(veröffentlicht im Weser Report, 17.10.2001)


Bremen. Schwere Arbeit hätten sie leisten müssen, aber die meisten Deutschen hätten sie gut behandelt. Darin sind sich die 14 ehemaligen Zwangsarbeiter aus der Ukraine einig, die in dieser Woche ihre alten Arbeitsorte in Bremen besuchen.

Dennoch: Für manch einen der 57- bis 77-Jährigen kam auch Trauer auf, als sie an die Orte ihrer gestohlenen Jugend zurückkehrten. Alexander Timofejew zum Beispiel hat zwiespältige Gefühle, wenn er an die Zeit beim Bremer Vulkan zurückdenkt: Vor Hunger wäre er damals fast gestorben. Und Gawril Schatolow musste nach einem Fluchtversuch im Bunker Valentin in Farge schuften, bevor er zu einem Bauern nach Kirchhuchting kam.

Ganze Familien mussten arbeiten

Besser erging es da den Geschwistern Nadeschda und Arkadij Starinow, die mit ihren Eltern Zwangsarbeit für das Gartenbauamt leisten mussten. "Wir haben die Bombenkrater zugeschaufelt, aber immerhin bekamen wir Essensmarken."

Die Deutschen seien heute andere geworden, versicherte Dr. Hartmut Müller vom Verein Walerjan Wrobel, der den Besuch bereits zum dritten Mal geplant hat. "Dennoch ist es beschämend, wenn Bremer Traditionsunternehmen sich nicht in der Lage sehen, eine kleine Spende beizusteuern für die ukranischen Gäste."

Nicht zu verstehen

Ebenso beschämend und letztlich immer noch ungelöst ist die Frage der Entschädigungszahlungen, erklärt Müller: "Die Auszahlung in der Ukraine erfolgt stufenweise, erst bekommen Zwangsarbeiter über 80, KZ-Häftlinge und Behinderte das Geld, dann erst die anderen." Warum das so lange dauert, konnten viele der Bremer Gäste nicht verstehen. Ob sie die Auszahlung der Entschädigung noch erleben werden, weiß niemand. Zwei aus der Gruppe sind bereits vor der Reise nach Bremen verstorben. Doch Nadeschda Starinowa wartet wie die Anderen geduldig ab - immerhin bedeutet ihr Vorname "Hoffnung". (bik)

 

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