Kinder und Kartoffelraritäten

Kontrastprogramm für Grünen-Farktionsvorsitzende Karoline Linnert

(veröffentlicht im Weser Report, 4.11.2001)


Bremen. Die bunten Legosteine mitten im Wohnzimmer verraten es: Karoline Linnert hat kleine Kinder, und die bestimmen auch die Frezeit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden. "Wenn ich nach Hause komme, dann sind erst einmal Nasen putzen und Gute-Nacht-Geschichten angesagt."

Wenn sie nicht da ist, kümmert sich ihr Lebenspartner Helmut Oppermann um Alice (3) und Johann (6). "Ohne seine Unterstützung könnte ich mein Amt nicht ausüben", ist sich Karoline Linnert sicher: "Ich weiß ja nie sicher, wann ich Feierabend habe."

Gemüse von der Parzelle

Die Arbeitsteilung der beiden, die seit 15 Jahren zusammen leben, ist eingespielt: "Ich mache die Wäsche und backe, Helmut kocht." Vorzugsweise Gemüse und Obst von der eigenen Parzelle: Kartoffelraritäten, leckere Kürbisse und Beerenobst. "Der Garten ist ein großer Teil unseres Lebens, die Kinder genießen die Natur, und für mich ist es Kontrastprogramm zur Politik: Hier muss ich behutsam und geduldig auch mal abwarten."

Dass die Grüne kein eigenes Auto hat, sondern Rad fährt und bei Stadtauto Mitglied ist, liegt auf der Hand. Doch bei Karoline Linnert kommt noch ein weiterer Grund dazu: "Faulheit! Früher habe ich ständig meine alten Rostlauben selbst repariert, darauf habe ich heute keine Lust mehr."

Solaranlage auf dem Dach

Ökologisch wohnt die Familie auch in ihrem schmalen Altbremer Haus in Hastedt. Gerade wird auf dem Dach eine Solaranlage zur Stromerzeugung erbaut. Der Lebensmittelpunkt ist das gemütliche Wohnzimmer im Hochparterre: Hier spielen die Kinder, hier wird gegessen, und abends sitzt Karoline Linnert mit ihrem Laptop am Tisch und arbeitet.

Als die heute 43-Jährige vor 22 Jahren nach Bremen zog, war es eine "Liebesheirat": linke Universität, Stadtstaat - hier wollte sie studieren und Politik machen. Ihr Diplom als Psychologin hat sie zwar letztlich in Oldenburg abgelegt, aber in der Hansestadt engagierte sie sich von Anfang an für grüne Politik.

"Demütiger werden"

Eine mehrmonatige Indienreise in dieser Zeit hat sie stark geprägt: "Dort leben die Menschen demütiger, sind weniger Ich-bezogen. Wir im Wesetn sollten auch bescheidener dem Leben gegenüber sein, vor allem in der Politik."

Die Wochenenden gehören nach Möglichkeit der Familie, und einmal in der Woche sind Karoline Linnert und Helmut Oppermann miteinander "verabredet": Dann gehen sie essen, ins Kino oder ins Theater. "Meistens klappt es aber nur jedes zweite Mal." Ganz gleich, wie zeitaufwändig ihr Job ist, Politik ist für sie eindeutig nicht das ganze Leben: "Ich habe einen eigenständigen Beruf und Kinder, das hilft, dass mich der ganze Zirkus nicht so durchdringt."

 

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