Idee von Europa mit Leben füllen

Die Straßburgerin Daniela von Scheidt leitet seit vier Jahren das Institut Français in Bremen

(veröffentlicht im Weser Report, 11.11.2001)


Bremen. Die Kartons sind ausgepackt und die Bücher eingeräumt, aber so richtig wohnlich sieht es bei Daniela von Scheidt nicht aus. Dabei wohnt die Leiterin des Institut Français bereits seit vier Jahren in der kleinen zweigeschossigen Wohnung in der Gertrudenstraße. "Aber ich bin ja sowieso nur selten hier."

Die Küche zum Beispiel mit Blick in den grünen Innenhof benutzt sie selten, obwohl sie eigentlich gern kocht. "Aber ich schaffe es nie, rechtzeitig einzukaufen." Meistens ist sie im Institut an der Contrescarpe, organisiert Kultur- und Sprachveranstaltungen. Für diesen Job ist die gebürtige Straßburgerin prädestiniert: Ihr Vater ist Deutscher, ihre Mutter Französin, in Paris und München hat sie Deutsch und Theaterwissenschaften studiert.

Vielseitiger Job

Die Leitung des Instituts sei ein „toller Job“, sagt die quirlige Französin, und ihre Augen strahlen dabei. "Die Aufgaben gehen viel weiter, als ich mir das vorher vorgestellt hatte." Denn nicht nur Literatur, Film, Musik und Theater gehören zum Programm, sondern auch Kooperationen mit den Hochschulen und so ungewöhnliche Projekte wie die Partnerschaft der europäischen Städte, in denen an der Rakete "Ariane" gebaut wird.

In Bremen fühlt sie "pudelwohl": "Ich habe in Bremen schnell Anschluss gefunden." Von wegen verschlossene Norddeutsche, dieses Klischee kann sie nicht nachvollziehen. "Im Gegenteil, viele Leute hier haben einen mediterranen Einschlag."

Alles zu Fuß erreichbar

Besonders gern mag sie es, dass man in der Hansestadt fast alles innerhalb von Minuten zu Fuß erreichen kann. "In Paris ist das unmöglich." Auch wenn sie sich in erster Linie als Französin empfindet, kommt gleich danach die Europäerin. "Europa ist für mich eine Realität, die mit Leben gefüllt werden muss." Auch das ist eines der Ziele, die sie in Bremen verwirklichen möchte.

Wohin es sie im nächsten Herbst verschlägt, wenn ihre Bremer Zeit endgültig abläuft, weiß Daniela von Scheidt noch nicht: "Ein Institut Français in Indien wäre spannend." Auf alle Fälle will sie sich das nächste Mal eine Woche Zeit nehmen, ihre neue Wohnung einzurichten. "Wenn ich es nicht sofort mache, komme ich nie dazu." (bik)

Externe Links:

 

Hier geht's zurück zum Weser Report