Wirbelwind Marke "Pretty in Pink"

Hair-Darsteller Jeremy Cummings: Hyperaktives Naturtalent und neugieriger Nachtmensch

(veröffentlicht im Weser Report, 18.11.2001)


Bremen. Die pinkfarbenen Haare hat Jeremy Cummings in seiner Freizeit unter einer Wollmütze versteckt. Soul-Musik übertönt die Geräusche der Hochstraße vor dem Fenster. "Ich hab in New York gelebt, ich bin den Lärm gewöhnt," lacht der quirlige Hair-Darsteller aus den USA.

In Bremen wohnt er zusammen mit seinen Kollegen Damien Chambers und Jimmy Laremore. Räucherstäbchen hüllen das WG-Wohnzimmer in leichten Nebel. Aber meditatives Stillsitzen ist eindeutig nicht seine Sache. Lieber gestikuliert er wild beim Sprechen, schneidet Grimassen, springt vom blauen Sofa auf. "Ich bin schon immer hyperaktiv gewesen", bekennt der 25-jährige Musical-Star.

"Feuer im Blut"

Das habe aber auch seine guten Seiten: "Wenn mir jemand etwas zeigt, mache ich es einfach nach." In Deutschland glaubten viele, dass man unbedingt eine Ausbildung brauche, um beim Musical zu arbeiten. "Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen talentiert und gut gelernt. Wer nur etwas lernt, hat nicht dieses Feuer im Blut."

Dass Jeremy Cummings ein Naturtalent ist, wurde früh entdeckt: Schon als Neunjähriger war er im Showbiz, lebte mit seinem Manager in New York, trat in Broadway-Shows, Werbefilmen und im Fernsehen auf. "In Amerika war ich damals richtig berühmt, konnte nicht unerkannt auf die Straße gehen."

"Ersatz-Familie"

Seine Eltern haben ihn immer dabei unterstützt, erzählt er. "Ich komme aus einem sehr kleinen Dorf, da waren sie froh, dass es einer mal raus schafft." Und wenn er Heimweh hatte, flog er eben kurz zurück zu Eltern und Bruder. Heute sind seine Kollegen seine "Ersatz-Familie": "Wir arbeiten und leben schon lange zusammen und haben immer viel Spaß zusammen, feiern oder gehen shoppen."

Sein Deutsch hat er "auf der Straße" aufgeschnappt, als er vor fünf Jahren sein erstes Engagement in Deutschland bei "Grease" in Düsseldorf bekam. Ein Jahr lang hat er dort nur gearbeitet, ist kaum einmal aus der Stadt heraus gekommen. Aber im zweiten Jahr hat er sich die Zeit genommen zu reisen: 23 Länder hat er besucht, bis nach Asien ist er gekommen. Ein Mitbringsel aus Jakarta steht auf dem Fenstersims: eine indonesische Holztänzerin. "Ich wollte alles einmal sehen, aber dort leben könnte ich nicht. Die Kulturen sind einfach zu verschieden."

Fast-Food-Fan

Ansonsten beschreibt sich der Fast-food- und Cola-Fan als "faul": "Die Arbeit auf der Bühne ist hart genug, da will ich in meiner Freizeit nicht auch noch ins Fitness-Studio." Lieber Party machen, spät ins Bett und bis zum Mittag schlafen - der 25-Jährige genießt sein Leben in vollen Zügen. Auf der Bühne kommt der Wirbelwind gut an - weibliche Fans schreiben ihm zahlreiche Liebesbriefe, Töchter und Mütter wollen gleichermaßen Autogramme. "So etwas gibt es in Amerika nicht."

Was einmal wird, wenn er nicht mehr tanzen kann, weiß er nicht. "Ich habe ja nichts Vernünftiges gelernt. Aber bislang hat immer alles in meinem Leben geklappt", ist Jeremy Cummings optimistisch. (bik)

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