"Das ist nicht unser Krieg"

Afghanen in Bremen lehnen Bomben ab / Beck für Bundeswehr-Einsatz

(veröffentlicht im Weser Report, 14.11.2001)


Bremen. "Der Schmerz über das, was zurzeit in meinem Land passiert, ist groß." Leila Noor, Afghanin und Modedesignerin, die seit 22 Jahren in Deutschland lebt, ist entsetzt. Täglich verfolgt sie die Nachrichten über Bombardierungen des bitterarmen Landes. "Natürlich verurteile ich die Anschläge vom 11. September scharf, aber Bomben sind doch keine Lösung."

Gemeinsam mit ihrem Landsmann Rahmatullah Fathai sprach sie am Montag auf Einladung der Ökumenischen Initiative Bremen und des Bremer Friedensforums über ihre Ängste und Erwartungen. "Die Afghanen werden zurzeit schnell mit den Taliban und den Terroristen gleichgesetzt, dabei ist das afghanische Volk seit sieben Jahren Geisel der Taliban."

Enttäuscht von Deutschland

Auch Fathai, der 1988 nach Deutschland emigrierte, hat elf Familienmitglieder durch den Krieg verloren, der mittlerweile zwanzig Jahre dauert - erst zwischen der Sowjet-Union und den USA, dann zwischen den Taliban und den Afghanen, jetzt zwischen der NATO und den Taliban. "Das ist nicht unser Krieg, aber wir bezahlen ihn mit unserem Leben."

Von den Deutschen hätten sie sich mehr diplomatischen Druck auf Pakistan erhofft, damit die Flüchtlinge nicht an der Grenze abgewiesen werden. "Dass Deutschland jetzt gemeinsame Sache macht mit traditionellen Afghanistan-Gegnern wie England und den USA, ist enttäuschend."

"Kein amerikanisches Abenteuer"

Der Krieg in Afghanistan bewegt zurzeit auch Marieluise Beck. Die grüne Abgeordnete des Bundestages muss am Donnerstag über die Beteiligung der Bundeswehr abstimmen. "Bei aller Skepsis gegenüber der US-Politik kann man nicht sagen, dass es ein rein amerikanisches Kriegsabenteuer ist." Immerhin hätten UNO und Nato die Anschläge bin Ladens als Angriff auf die USA und Nato-Bündnisfall gewertet.

Im Bosnien-Krieg sei ihr klar geworden, dass Bomben durchaus einen Sinn machen können: "Es geht nicht um die Frage, ob ich für oder gegen den Krieg bin, sondern darum, wie man den Krieg beenden kann." Sie wird am Donnerstag für die Bundeswehr-Beteiligung stimmen, wenn die Bedingungen wie der Einsatzort und die politische Zielsetzung präzisiert werden. (...) (bik)

 

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